Politik

Gegen Berufsverbote, für Rehabilitation und Entschädigung der Betroffenen!

 Saal mit Zuhörerinnen und Zuhörern.

Ausstellung in Bielefeld

Im Historischen Saal der Volkshochschule Bielefeld ist noch bis zum 15. März die Ausstellung «Vergessene Geschichte, Politische Verfolgung in der Bundesrepublik Deutschland» zu sehen. Ziel der Ausstellung ist es, die Berufsverbote als Teil der bundessdeutschen Nachkriegsgeschichte aufzuarbeiten und vor dem Vergessen zu bewahren. Der Bielefelder Initiativkreis Berufsverbote will damit einen Beitrag zur Aufhebung des Radikalenerlasses zu leisten sowie die Öffentlichkeit für die politischen, sozialen und psychischen Auswirkungen des politischen Instruments «Berufsverbote» zu sensibilisieren. Die Ausstellung wird von einem Veranstaltungsprogramm begleitet. Unterstützung kommt von der VHS Bielefeld, dem DGB Ostwestfalen-Lippe, der GEW Bielefeld, der GEW-NRW, der Gewerkschaft verdi, Arbeit und Leben, der Rosa Luxemburg Stiftung NRW sowie dem Rosa-Luxemburg Club Bielefeld.

Der Saal ist bis auf den letzten Platz besetzt, als die Ausstellung am 1. Februar eröffnet wird. Grußworte halten Frau Karin Schrader, Erste Bürgermeisterin der Stadt Bielefeld, und Matthi Bolte-Richter, Landtagsabgeordnerter der Partei Die Grünen. Klaus Stein, Köln, seinerzeit von Berufsverbot betroffen, referiert zum Thema: «Berufsverbote gestern und heute». Cornelia Booß-Zieglings Beitrag heißt «Ich bin betroffen». Sie war in Bielefeld Mathe-Studentin, DKP-Kandidatin für einen Sitz im Stadtrat. Während sie 1976 gegen die Entscheidung der Behörden klagte, versuchte sie sich ihren Lebensunterhalt als Sekretärin zu verdienen. Ihr wurde von der Colonia-Versicherung und Firma Gildemeister-Projecta GmbH gekündigt, als es anlässlich der Gerichtsverfahren in Bielefeld eine breite Öffentlichkeitskampagne um dieses Berufsverbot gab. Musikalisch wird die Veranstaltung von der Musikgruppe «Roter Faden» begleitet. Am Ende spricht Maike Finnern, stellvertretende Landesvorsitzende der GEW-NRW über die «Forderungen der GEW an Landtag und Landesregierung: Rehabilitation und Entschädigung der Betroffenen».

Die Ausstellung ist von der Niedersächsischen Initiative gegen Berufsverbote übernommen und um einige Tafeln mit Bezug zu Bielefeld ergänzt worden.

Begleitprogramm:

Donnerstag, 15.2.2018, 19.00 Uhr
«1968», Kalter Krieg und Wertewandel Berufsverbote
Eine zeithistorische Einordung des Radikalenbeschlusses
Alexandra Jaeger, M.A.
Volkshochschule, Ravensberger Park 1, Raum 240

Dienstag, 20.2.2018, 19.00 Uhr
Staatsschutz – Treuepflicht – Berufsverbot
[K]ein abgeschlossenes Kapitel der westdeutschen Geschichte
Szenische Lesung der Shakespeare Company, Bremen
Volkshochschule, Ravensberger Park 1, Murnausaal

Donnerstag, 1.3.2018, 19.00 Uhr
Die Aufarbeitung der Berufsverbote durch den niedersächsischen Landtag
Jutta Rübke, Niedersächsische Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der Schicksale im Zusammenhang mit dem sogenannten Radikalenerlass
Volkshochschule, Ravensberger Park 1, Raum 240

Donnerstag, 15.3.2018, 19.00 Uhr
Berufsverbote aus juristischer Sicht
Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin
Bundesministerin für Justiz (1998 – 2002)

Text und Foto: Klaus Stein