Köln
Der Beitrag der Künstlichen Intelligenz zur Überakkumulationskrise
Intelligente KI-Entwicklung «Symphonie der internationalen Kooperation»
Photo: Li Hao/GT, 2nd World Humanoid Robot Games, 22.-26.08.26, Peking, 5-gegen-5-Fußball, https://www.globaltimes.cn/galleries/6312.html
KI bedeutet die maschinelle Nachahmung menschlicher Intelligenz. Noch wurde nicht gefunden, wo sie sinnvoll genutzt werden kann, um die heutigen Investitionen zu rechtfertigen. Unterdessen werden ihre Möglichkeiten spielerisch vermehrt.
Im November vergangenen Jahres warnte die Bundesbank in ihrem Finanzstabilitätsbericht vergleichsweise bieder und recht allgemein vor Gefahren der Künstlichen Intelligenz: «Je höher die Kosten der Verwendung von KI-Systemen oder die Investitionskosten zur Entwicklung eigener Modelle, desto größer ist die Tendenz zu zunehmender Konzentration von Marktmacht bei einzelnen Intermediären (= Banken, Fonds und Versicherern), wenn diese durch den Einsatz von KI einen Wettbewerbsvorteil haben. Außerdem könnten neue Konzentrationsrisiken entstehen, wenn weite Teile des Finanzsystems von den Produkten einiger weniger Anbieter von KI-Systemen abhängig sind. Ein breites und vorausschauendes Monitoring ist daher wichtig, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und Risiken für die Finanzstabilität abzuschätzen.»
Künstliche Intelligenz ängstigt
Erkennbar ballen sich gegenwärtig die Risiken. Millionen von indischen Studenten und jungen Akademikern protestierten im Mai und Juni unter dem satirischen Banner einer Kakerlaken-Volkspartei in Neu Delhi und anderen großen Städten des Landes. Der Oberste Richter Surya Kant hatte demonstrierende Jugendliche als Kakerlaken bezeichnet, nachdem Prüfungsfragen für die Zulassung zum Medizinstudium vorab veröffentlicht worden waren. Die Prüfung wurde wiederholt. Die Demonstrationen forderten den Rücktritt des Bildungsministers Dharmendra Pradhan. Nach 36 Tagen gab die Regierung dieser bescheidenen Forderung nach. Hintergrund der Proteste ist die Jugendarbeitslosigkeit in Indien, 400 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 29 Jahren sind in Not. Aber auch: Zwischen 2022 und 2025 konnten Jugendproteste in den Nachbarländern mit ähnlichen Problemen wie Sri Lanka, Bangladesch und Nepal die Regierungen stürzen.
In einer Reportage vom 14. August stellt die FAZ einen Zusammenhang mit den Folgen der Künstlichen Intelligenz her. 70 Prozent dieser Generation hätten Angst, ihren Arbeitsplatz durch KI zu verlieren. Automatisierung und KI erhöhten den Druck auf den ohnehin angespannten Arbeitsmarkt. «Als im Frühjahr der amerikanische KI-Entwickler Anthropic neue Werkzeuge vorstellte, die viele bisherige Routineaufgaben wie Softwaretests, Programmierung und Datenanalyse automatisieren, rauschten die Aktienkurse von Indiens IT-Giganten (wie Infosys, Tata Consultanty Services TCS und HCLTech) in die Tiefe und vernichteten Wert in Milliardenhöhe.» Indien könne allein im IT-Sektor ein Viertel der Stellen verlieren, also etwa zwei Millionen, wenn die Einführung von KI schief ginge. Die Antwort auf die Frage, ob KI am Ende Jobs vernichte oder schaffe, bleibt indessen offen.
Schon im laufenden Jahr wird eine Billion Dollar in Chipfabriken und Rechenzentren gesteckt. Die Größenordnungen sind beispiellos. Die US-Konzerne Amazon, Microsoft, Alphabet (= Google-Muttergesellschaft) und Meta investieren 800 Milliarden Dollar allein für das Jahr 2026, seit 2013 beläuft sich die Summe auf mehr als 1,6 Billionen Dollar. Eine Prognose von McKinsey rechnet bis 2030 mit weiteren 7 Billionen Dollar Investitionen in Rechenzentren, allein 5,2 Billionen Dollar sollen dabei auf KI entfallen.
Um diese Zahlen ins Verhältnis zu setzen: die Bundesrepublik Deutschland produzierte im Jahr 2025 ein Bruttoinlandsprodukt von 5 Billionen Dollar, das der USA betrug 30 Billionen Dollar.
Aber nicht nur Inderinnen und Inder fürchten die KI-Industrie. Auch US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner. Gegenwärtig wird in Ohio ein neues Rechenzentrum geplant. Bauherr ist Open AI. Der Konzern verlässt sich auf eine Finanzierungszusage von Nvidia über 105 Mrd Dollar. Von Nvidia stammen dafür im Gegenzug die 1,5 Millionen Chips, die in dieser Fabrik zum Einsatz kommen sollen. Das Rechenzentrum soll eine Leistung von 8 Gigawatt erbringen. Damit wäre es das weltgrößte Rechenzentrum für KI. Die Energie käme von einem neuen Gaskraftwerk. Bauzeit: sechs Jahre. 35.000 Menschen wären am Bau beschäftigt. Am Ende entstehen 2.500 Arbeitsplätze. Allerdings gibt es erheblichen Widerstand in der Bevölkerung des US-Staates. Überhaupt lehnen Dreiviertel aller US-Bürger Rechenzentren in der Nähe ihres Wohnortes ab. Sie fürchten Umweltschäden, vor allem aber steigende Preise für Strom und Wasser.
Skepsis
«Der KI-Boom wird immer stärker über Schulden finanziert. Tech-Konzerne nehmen am Anleihemarkt Milliarden auf. Ob die Wette auf die Zukunft aufgeht, ist keine ausgemachte Sache.»
(Claudia Wehrle, Neue Zürcher Zeitung, 22. Juli 2026) «Die wirtschaftswissenschaftliche Forschung zu früheren technologischen Revolutionen deutet auf eine besorgniserregende Schlussfolgerung hin: Eine Korrektur der aktuellen Börsenbewertungen ist wahrscheinlich.» (EZB-Ökonomen, 17. August 2026)
Euphorie
Noch wird an der KI viel Geld verdient. Die Plattform des US-amerikanischen KI-Infrastrukturanbieters Vercel verarbeitet täglich mehr als eine Billion sogenannter Token der führenden KI-Modellanbieter (FAZ 24. Juli 26). Token ist das Maß, nach dem die Textmengen, die die KI-Modelle liefern, abgerechnet werden. Schon im Juni hatte der chinesische Anbieter Deepseek einen Anteil von 20 Prozent daran. Damit lag er hinter Anthropic und Google auf dem dritten Platz, vor Open AI. Auch andere chinesische Anbieter sind auf der Vercel-Plattform mit wachsendem Erfolg beteiligt. Insgesamt entfiel im Juni ein Drittel auf offene Modelle, wie sie in China üblich sind. Dass die Umsätze von US-amerikanischen Anbietern dennoch 95 Prozent ausmachen, erklärt sich dadurch, dass die chinesischen Modelle günstiger, sogar gratis sind.
Urheberrechtsfragen
Neulich wurde in der Presse mitgeteilt: Eine kanadische Firma, Zoom Books, bestellt Bücher in großen Mengen, auch antiquarische Bücher. Über eine Lieferadresse werden sie in die USA verschifft. Hier scannt das KI-Unternehmen Anthropic die Literatur und schreddert sodann die Bücher nach vollbrachter Tat. (FAZ 11. August 2026)
Es handelt sich um das Project Panama, das seit Anfang 2024 möglichst alle auf der Welt verfügbaren Bücher erfasst und ihre Texte dem Chatbot Claude veabreicht. Die Klage einer Gruppe von Autoren war nicht ganz vergeblich. Es wurde außergerichtlich eine Entschädigung von 1,5 Mrd Dollar erstritten.
Zwei KI-Konzepte
«Ranghohe Vertreter der US-Regierung haben dem neuen chinesischen KI-Modell Moonshot AI Diebstahl amerikanischer KI-Technologien vorgeworfen und mit Konsequenzen gedroht.» (FAZ 24. Juli 2026)
Im Gegenzug beschwerte sich China über eine Politisierung von Wissenschaft, Technologie und Wirtschaft. Am 23. Juli kritisierte ein Sprecher des Außenministeriums, die USA behinderten die globale Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. Das läge nicht im Interesse beider Seiten.
Eine Woche zuvor, am 16. Juli, hatten Delegierte von 29 Staaten die Welt-Organisation für KI-Kooperation (WAICO) gegründet. Bei der Gelegenheit äußerte Chinas Präsident Xi Jinping, «die KI-Entwicklung sollte kein Soloauftritt eines Landes sein, sondern die Symphonie der internationalen Kooperation.» Offenbar passt den USA diese KI-Kooperation nicht. Einer Diplomatin zufolge hätten sie sogar versucht, Länder von einer Teilnahme an der WAICO abzuhalten.
Die Kontroverse ist weitreichend und grundsätzlich. Hannes Fellner hat das erläutert. Sein Text heißt «Zwei Wege der Künstlichen Intelligenz» und ist in einer Beilage zu den Marxistischen Blättern 4/25 nachzulesen.
Im vergangenen Jahr veröffentlichte der US-Kongress den CRS-Report R48555. Er besteht in einer Übersicht über die US-amerikanische AI-Governance. Und im selben Jahr stellte Premier Li Qiang anlässlich der World AI Conference CONTENT_INTRO_TEXT High-Level Meeting on Global AI Governance den Action
Plan for Global AI Governance vor. In beiden Papieren geht es um dieselben Fragen, nämlich wie und nach welchen Gesichtspunkten die Künstliche Intelligenz zu regulieren sei und welche Institutionen verantwortlich sein sollen. Aber die Antworten fallen unterschiedlich aus.
Fellner schreibt, der US-Report lese sich wie ein Handbuch zur Sicherung bestehender Machtverhältnisse. Er spreche von Risiken, Sicherheit, Regulierungslücken und Wettbewerbsfähigkeit. KI erscheine darin als Ressource, die man besitzen, schützen und gegen Konkurrenten einsetzen muss. Das Ziel sei nicht, KI für alle nutzbar zu machen, sondern die Position der USA im globalen Machtgefüge zu behaupten. «Regulierung würde die großen Konzerne in ihrem Geschäftsmodell behindern. Die Tech-Monopole der Magnificent Seven (Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta, Nvidia, Tesla) profitieren alle davon, dass Daten als private Ressource extrahiert, expropriiert und gehandelt werden und dass Algorithmen öffentlichem Zugriff entzogen sind, dass Transparenz nur in Schlagworten vorkommt.» (S. 3) Der Report wolle immer weitere gesellschaftliche Bereiche privaten Interessen unterordnen.
Fellner stellt diesem Text das Beispiel von Deepseek gegenüber. An Chinas führendem Open-Source-KI-Projekt hätten mehr als 60.000 Entwickler mitgearbeitet. «Der Quellcode ist frei zugänglich, die Lizenz erlaubt Weiterentwicklung, verbietet aber Missbrauch, die dahinterliegende Technik ist viel effizienter und nachhaltiger als bei der westlichen Konkurrenz. DeepSeek ist damit nicht nur eine technische Innovation, sondern auch eine politische Botschaft: Wissen gehört allen.» (S. 5) Dem ist hinzuzufügen, dass nur auf diese Weise eine gesellschaftliche, eine öffentliche Kontrolle über den Einsatz und die Zwecke der Künstlichen Intelligenz eine Chance hat.
Ähnlich wie Deepseek legt Moonshot die Parameter des Modells Kimi K3 offen, es kann gratis heruntergeladen und verändert werden, seine Benutzung ist zwar nicht kostenlos, aber erheblich günstiger als die US-amerikanischen Produkte.
Entwicklungsformen der Produktivkräfte werden zu Fesseln derselben
Seit es Kapitalismus gibt, haben wir es mit Krisen zu tun. In wechselnden Erscheinungen folgen sie dabei einem Muster. «Einerseits Vervollkommnung der Maschinerie, durch die Konkurrenz zum Zwangsgebot für jeden einzelnen Fabrikanten gemacht und gleichbedeutend mit stets steigender Außerdienstsetzung von Arbeitern: industrielle Reservearmee. Andrerseits schrankenlose Ausdehnung der Produktion, ebenfalls Zwangsgesetz der Konkurrenz für jeden Fabrikanten. Von beiden Seiten unerhörte Entwicklung der Produktivkräfte, Überschuss des Angebots über die Nachfrage, Überproduktion, Überfüllung der Märkte, zehnjährige Krisen, fehlerhafter Kreislauf: Überfluss hier, von Produktionsmitteln und Produkten – Überfluss dort, von Arbeitern ohne Beschäftigung und ohne Existenzmittel; aber diese beiden Hebel der Produktion und gesellschaftlichen Wohlstands können nicht zusammentreten, weil die kapitalistische Form der Produktion den Produktivkräften verbietet, zu wirken, den Produkten, zu zirkulieren, es sei denn, sie hätten sich zuvor in Kapital verwandelt: was gerade ihr eigner Überfluss verhindert. Der Widerspruch hat sich gesteigert zum Widersinn: Die Produktionsweise rebelliert gegen die Austauschform. Die Bourgeoisie ist überführt der Unfähigkeit, ihre eignen gesellschaftlichen Produktivkräfte fernerhin zu leiten.» (Friedrich Engels, 1878, Materialien zum Anti-Dühring, MEW 20, 619)
Diese Unfähigkeit indessen kann bürgerliche Wirtschaftswissenschaft nicht erkennen. Sie würde ihre eigene Herrschaft in Frage stellen. Folglich stoßen wir auf viele unterschiedliche, häufig sich gegenseitig ausschließende Erklärungsversuche. Die praktische Konsequenz besteht aus Maßnahmen, die allseitigere und gewaltigere Krisen zur Folge haben. Eine derartige Krise und die Versuche, sie einzudämmen, spielen sich momentan vor unseren Augen ab.
Die große Blase, die sich um die KI-Industrie bildet, erinnert an die Dotcom-Blase vom Frühjahr 2000. Auslöser des damaligen Booms waren die hohen Gewinnerwartungen, die durch die Etablierung des Internets, des Mobiltelefons und die Entwicklung von Klapprechnern genährt wurden. Ab 1995 kam es zu einer Vielzahl von Unternehmensgründungen samt Börsengängen. Die Nachfrage kulminierte ab Mitte 1999 innerhalb weniger Monate und vervielfachte die Börsenbewertung vieler einschlägiger Unternehmen. Ein gesondertes Bubenstück war der Börsengang der Telekom.
Goldman Sachs
Die FAZ geht am vergangenen Freitag (21. August) der Blasenfrage nach. Unter der Überschrift «Die KI-Wette: Platzt die Blase?» werden die Investmentbanker Tibor Kossa und Jens Hoffmann von Goldman Sachs – ausgerechnet! - interviewt.
Frage:
Wieviel heiße Luft ist dabei? Könnte es nicht sein, dass wir in drei Jahren schon ganz neue KI-Modelle haben und die Investitionen zumindest teilweise hinfällig sind?
Jens Hofmann:
Die enormen Investitionen sind am Ende an Erwartungen zur Steigerung der wirtschaftlichen Effizienz und Profitabilität gekoppelt. Diese knapp 800 Milliarden Dollar Investments der Hyperscaler (= Betreiber von übergroßen Rechenzentren) fließen ganz wesentlich in physische Infrastruktur. Wer an diesen Wertschöpfungsketten beteiligt ist, erfährt einen Nachfrage- und damit Wachstumsschub: Da geht es nicht nur um die nächste Chip-Generation, sondern auch um den Bau von Rechen- und Datenzentren sowie die notwendigen Komponenten hierfür, zum Beispiel die Kühltechnik für die Server. Dieser Investititonszyklus treibt die Notwendigkeit, wirklich kritische Masse und Größe aufzubauen.
Frage:
Wiederholt sich die Börsengeschichte der ersten Internetblase, in Deutschland berüchtigt als Neuer Markt?
Jens Hoffmann:
Anders als damals sind das alles sehr profitable Unternehmen. Bisher haben die Hyperscaler sehr viel über die erwirtschafteten Cashflows finanziert. Aber jetzt brauchen sie aufgrund der Höhe der KI-Investitionen auch externe Finanzierungsmittel. Etwa 40 Prozent der KI-Investitionssumme werden in diesem Jahr durch Emissionen an den globalen Anleihemärkten eingesammelt. Einige Mittel erhalten die Hyperscaler auch über die privaten Märkte, ein relativ neues Segment, das stark wächst. Und teilweise wird das Wachstum auch über Eigenkapitalerhöhungen und Börsengänge finanziert.
Am Freitag, den 7. August, war in der FAZ Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, mit einer gegenteiligen Äußerung zitiert worden: «Die Bewertung von Hyperscalern und Infrastrukturunternehmen ist angesichts der Formierung eines neuen Wirtschaftssektors extrem unsicher. Zurzeit sehen wir in der stürmischen Entwicklung des KI-Sektors einen Übergang von einer generellen Euphorie in die harte Realität der Zahlen.» Eine Folge davon seien starke Kursausschläge.
Zuvor waren asiatisch-pazifische, namentlich technologielastige Börsen abgestürzt. Samsung und SK Hynix zogen den südkoreanischen Index, den Kospi, um 4,6 Prozent nach unten. Zur Handelseröffnung am 6. August hatte ein Flash Crash die SK-Hynix-Aktie um gut 30 Prozent nach unten gezogen. Michael Heise zufolge, Chefvolkswirt von HQ Trust, sei die Volatilität der Speicherchiphersteller ein starkes Warnsignal für die Entwicklung der Märkte, die im Falle Südkoreas von zwei Unternehmen dominiert würden. Die Kurseinbrüche zeigten berechtigte Zweifel an der Nachhaltigkeit der enorm hohen Gewinne in diesem Sektor. Ein klares Warnsignal.
Die Nervosität steigt
Die FAZ fragt am vergangenen Samstag (22. August): «Wäre es nicht besser, jetzt aus dem Markt auszusteigen? Unternehmen wie Meta, Amazon oder Nvidia drehen ein ganz großes Rad. Aber die Vernetzung untereinander, diese besondere Art der Kreislaufwirtschaft in der Finanzierung, das ist eine neue Dimension. Da finanzieren Lieferanten ihre Kunden, und die wiederum kaufen davon Produkte – bei ihren Lieferanten. Wenn da Sand ins Getriebe kommt, wenn einer in Schwierigkeiten gerät, was dann?» Und nachdem die Autorin Inken Schönauer das Ausmaß der Risiken referiert hat, fragt sie: Und was heißt das jetzt für die Anleger? Sie lässt aber Martin Lück, einen weiteren Kapitalmarktstrategen zu Wort kommen: die richtige Antwort sei nicht, Technologie zu meiden oder aus Aktien zu fliehen. Gefragt seien robuste Bilanzen, nachvollziehbare Cashflows, Preissetzungsmacht und eine breitere Streuung über Regionen und Sektoren. Wer nur auf die nächste Entspannung, die nächste Zinshoffnung oder den nächsten KI-Rekord setze, verwechsele Momentum mit Sicherheit. Der Sommer 2026 zeige: Die Rally laufe weiter – aber auf brüchigem Grund.
FAZ: Und jetzt kämen auch noch die steigenden Renditen der Anleihen dazu. Auch die Tech-Konzerne konkurrieren um Kredite. Gabriel Felbermayr, Mitglied des Sachverständigenrats Wirtschaft, hat sich am vergangenen Mittwoch (19. August) gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters geäußert. Aktuell sei die Gefahr einer umfänglichen Staatsschuldenkrise sehr hoch. Als ein Auslöser des globalen Renditeanstiegs gilt ihm die Sorge um eine Eskalation des Konflikt im Nahen Osten. Anleger befürchten, dass ein längerer Krieg die Energiepreise und damit die Inflation hoch halten könnte. «Das Vertrauen, dass ein Land mit extrem hohen Staatsschulden mithilfe geeigneter Operationen der Notenbank die langfristigen Zinsen niedrig halten kann, ist weg.» «Der Grund ist im Kern, dass am Ende solche Maßnahmen doch immer inflationär wirken».
Wachsende Staatsschulden
Zu diesem Thema hatte am Vortage die Nachricht von den auf 40 Billionen angewachsenen US-Staatsschulden einen deutlichen Akzent gesetzt. Die 40 Billionen entsprechen 122 Prozent des US-BIP. 33,6 Billionen Dollar bestehen aus Staatsanleihen, 7,7 Billionen liegen in Pensionsfonds des Bundes, den Treuhandfonds der Sozialversicherung und anderen staatlichen Fonds.
Die hohen Schulden veursachen den Anstieg der Renditen langlaufender Staatsanleihen. US-Finanzminister Scott Bennent reagiert mit Rückkäufen von Anleihen, die wiederum durch kurzfristige Schuldtitel finanziert werden. Er konnte damit die Rendite von Anleihen mit 30jähriger Laufzeit für eine kurze Zeit auf 5,19 Prozent drücken. Noch Ende Juli hatte er mit einer Stützungaktion für den japanischen Yen verhindern müssen, dass Japan US-Staatsanleihen verkauft und damit Renditen in die Höhe treibt. Japan ist gegenwärtig das Land, das die meisten US-Anleihen hält. Sie haben ein Volumen von 1,2 Billionen Dollar.
Im Maße, wie diese Papiere auf den Markt kämen, würden sie an Wert verlieren, die Renditen folglich steigen. Mit ihnen würden auch Kreditkonditionen für Autokäufe, Kreditkarten, Hypothekendarlehen und Unternehmensfinanzierungen teurer. Ich erinnere daran, dass es die Hypotheken waren, die die Finanzkrise 2008 auslösten.
Preisstopp!
Unabhängig vom Schicksal der KI-Blase muss die Inflation gestoppt werden. Die Preise von Öl und Sprit, anderer Energieträger und von Lebensmitteln müssen reguliert werden. Wir haben es mit einem Raubzug zu tun, von dem die ganze Welt betroffen ist.
Klaus, MV der DKP Köln Innenstadt, 24. August 2026
Der Beitrag der Künstlichen Intelligenz zur Überakkumulationskrise